«Ich habe nie gedacht, dass es möglich ist, so weit zu kommen.» Als Aline Wirz diese Worte in unsere Kamera spricht, sitzt sie ruhig da. Kein Drama, kein Pathos. Einfach eine Athletin, die ehrlich über ihren Weg redet. Einen Weg, der sie dieses Jahr bereits auf Platz 11 weltweit in den CrossFit Open gebracht hat – und der noch lange nicht fertig ist.
Wir begleiten Aline als cross equip Athletin und haben ihre bisherige Saison in zwei Video-Kapiteln festgehalten. Das hier ist die Geschichte dahinter.
Der Funke – Berlin und der Moment, der alles verändert hat
Es gibt diese Momente im Sport, die alles auf den Kopf stellen. Für Aline war es die erste Semi-Final-Teilnahme in Berlin. Nicht wegen einem Mega-Resultat – sondern weil sich dort etwas im Kopf verändert hat. «Es hat mir viele Türen geöffnet, in Bezug auf mein Selbstvertrauen», erzählt sie. «Ich denke, ab dort habe ich angefangen, gross zu träumen.»
Dann kam der harte Schlag: Die Qualifikation für die CrossFit Games verpasst – nur knapp. So knapp, dass es tagelang nachwirkte. Aber genau dieser Moment wurde zum Treibstoff für alles, was danach kam.
«Es hat mir die Augen geöffnet – diesmal kann ich wirklich hoffen, an die Games zu kommen. Und solange das Feuer in mir brennt, werde ich nicht aufhören.»
Aline Wirz
Diese Worte sind nicht einfach dahingesagt. Aline lebt das – jeden Tag, jede Session, jeden Qualifier.
Ein neuer Ansatz – Vorbereitung mit System
Was diese Saison anders macht: Aline und ihr Coach haben den Plan grundlegend angepasst. Die Kraft war immer eine relative Schwäche. Ein paar Kilos haben gefehlt, um bei wirklich schweren Events nicht nur mitzuhalten, sondern konkurrenzfähig zu sein. «Die Idee ist, dass wir dieses Jahr wirklich versuchen, Events zu vermeiden, bei denen ich denke: Wir wollen nur den Schaden begrenzen», erklärt Aline. «Das Ziel ist Konstanz – auf allen Events.»
Und noch etwas ist anders: Die Open sind für Aline nicht mehr der Höhepunkt der Saison. Sie sind eine Standortbestimmung. «Am Anfang waren die Open das Event des Jahres – ich war darauf vorbereitet, ich war bereit dafür. Jetzt bin ich noch in der Vorbereitungsphase. Mein Peak kommt später.»
Das klingt nicht nach weniger Ehrgeiz. Das klingt nach mehr Strategie.
Open 2026 – Drei Workouts, eine Ansage
Die CrossFit Open 2026 haben gezeigt, wo Aline steht. Und das ist: ganz weit vorne.
26.1 – Der Grinder
Wall-Ball Shots, Box Jump-Overs und Medicine-Ball Box Step-Overs in wechselnden Reps – ein 12-Minuten-Test für Ausdauer, Rhythmus und mentale Stärke. 246 Wall Balls insgesamt. Wer hier durchhält, ohne einzubrechen, ist fit. Aline beendet das Workout in 11:26 und landet auf Platz 19 weltweit.
26.2 – Die Show
Dumbbell Overhead Walking Lunges, Alternating Dumbbell Snatches und dann das grosse Highlight: Von Pull-ups über Chest-to-Bar zu Ring Muscle-ups – alles unter einem Time Cap von 15 Minuten. «Ich liebe die Rings – ich bin so happy», sagt Aline im Video. Und das sieht man am Resultat: 6:52 – Platz 5 weltweit. Nach zwei Workouts steht sie auf Platz 3 der Welt.
26.3 – Die Prüfung
Burpees over the Bar, Cleans und Thrusters bei steigenden Gewichten über sechs Runden. 16 Minuten Time Cap. Auf dem Papier brutal – in der Ausführung noch brutaler. Dieses Workout war direkt in die Wodapalooza Competition eingebaut – Aline absolviert es also auf der grossen Bühne in Miami, bei Hitze, vor Publikum. Die Thrusters sind für Aline mit ihren langen Beinen eine biomechanische Herausforderung. Sie ist nicht so explosiv in dieser Bewegung wie bei den Gymnastics. Mit 285 Reps auf Platz 93 fällt sie etwas zurück. Am Tag nach der Competition versucht sie das Workout nochmals – verbessert sich, aber es reicht nicht ganz für die Top 10.
Das Ergebnis
Platz 11 weltweit. 117 Punkte. Aus hunderttausenden Athletinnen.
Klar, Aline wollte in die Top 5. Das 26.3 lief nicht wie erhofft. Aber wenn man einen Schritt zurücktritt und sich diese Zahl anschaut – 11. der Welt – dann ist das eine Monsterleistung. Punkt.
Wodapalooza Miami – Auf der grossen Bühne
Parallel zu den Open hat Aline an der Wodapalooza teilgenommen – einem der grössten und renommiertesten CrossFit-Events weltweit, dieses Jahr in Miami. Der Competition Floor ist eine andere Welt: Tausende Zuschauer, Live-Übertragung, das volle Programm.
Aline liefert ab. Konstant, sauber, konzentriert. Kein Event gefailt, alles durchgezogen. Am Ende steht ein starker Platz 10 – bei einem der grössten CrossFit-Events der Welt. Gratulation!
Was im Video besonders auffällt: Aline spricht über den mentalen Aspekt.
«Ich habe schon so viele Szenarien gesehen, die bei einem Wettkampf passieren. Wenn es wirklich darauf ankommt, dann ist es mehr Mental als Physisch.»
Aline Wirz
Genau diese mentale Reife ist es, die sie dieses Jahr auf ein neues Level bringt.
Der Weg zu den Games – Alle Optionen offen
Jetzt wird es richtig spannend. Aline und ihr Coach fahren eine smarte Strategie: Sich für alle möglichen Semi-Finals qualifizieren – und dann entscheiden.
French Showdown (Mai, Frankreich)
Die Qualifikation war extrem selektiv: Drei Workouts, nur die Top 20 kommen durch. Aline gewinnt das letzte Qualifying-Workout und sichert sich Platz 10 – Ticket gelöst.
Renegade Games (Südafrika)
Hier wird es besonders interessant: Nur 11 internationale Athletinnen haben sich für den Qualifier angemeldet, 10 qualifizieren sich – und es gibt einen direkten Games-Spot. Aline qualifiziert sich als Erste. Der potentiell kürzeste Weg zu den Games.
MAD Fitness Festival (Spanien)
Für dieses Semi-Final hat Aline eine direkte Einladung erhalten.
Affiliate Battle (Frankreich)
Auch hier hat sich Aline zusätzlich qualifiziert – trotz deutlich mehr Elite-Athletinnen im Feld.
Die Philosophie dahinter: Überall qualifizieren, jedes Qualifying «one and done» – einmal Gas geben, Bestes geben, weitergehen. Kein Redo, kein Nachtreten. Und später in Ruhe entscheiden, welches Semi-Final die beste Option ist.
Der nächste grosse Meilenstein: Die Quarter-Finals. Dann wird sich zeigen, wie gut der neue Trainingsplan greift.
Alles ist möglich
Wenn man Aline fragt, was dieses Jahr anders ist, dann sagt sie einen Satz, der alles zusammenfasst:
«Dieses Jahr sehe ich keine Barriere mehr, bei der ich denke, es ist unmöglich. Alles ist möglich.»
Aline Wirz
Keine Barriere mehr. Alles ist möglich. Das ist die Haltung einer Athletin, die weiss, was sie kann – und die bereit ist, es zu zeigen. Mit einem starken Team um sich, einem Plan der funktioniert, und einem Feuer, das nicht kleiner wird.
Wir bei cross equip sind stolz, Aline auf diesem Weg zu begleiten. Nicht weil sie perfekte Resultate liefert – sondern weil sie ihren Weg mit Überzeugung, Ehrlichkeit und Passion geht. Genau die Werte, die auch uns antreiben.
Die Saison 2026 hat gerade erst angefangen. Und wir sind verdammt gespannt, wie sie weitergeht.
Folge Alines Weg:
- Chapter 1 – Pre Open
- Chapter 2 – The Open
- Aline auf Instagram: @alinewirz
Produziert von Grégory Nierfeix in Zusammenarbeit mit cross equip.